Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn e.V.

Chronik

Aus der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn

(zum 90jährigen Gründungsfest und Fahnenweihe - 1976)

Es ist der Würde des Festes angemessen, zur neunzigsten Wiederkehr der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn einen Rückblick auf die verflossene Zeit zu geben. Soll doch ein solcher Bericht den heutigen Feuerwehrmännern zeigen, unter welchen zeitlichen und technischen Voraussetzungen die inzwischen verstorbenen oder zu passiven Mitgliedern gewordenen Kameraden ihren freiwilligen Dienst für die Mitmenschen erfüllt haben und der übrigen mitfeiernden Bevölkerung einen Rechenschaftsbericht über die neunzigjährige Geschichte eines Vereins geben.
 
Den bisherigen Schriftführern soll hier noch einmal Dank gesagt werden, denn ohne die präzisen Aufzeichnungen wäre dem Chronisten die Schilderung der Vereinsvergangenheit nicht möglich.
 
Leider sind ab dem Jahr 1925 nur wenige schriftliche Aufzeichnungen vorhanden, insbe-sondere fehlen Angaben über die Ereignisse während des zweiten Weltkrieges, so dass Namensnennung der gefallenen und vermissten Feuerwehrkameraden nicht möglich ist.
 
Aus dem noch vorhandenen Dienstbuch ist zu entnehmen, dass der eigentliche Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn der 11. September 1887 war. An diesem Tag wurde die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn Mitglied des Bayerischen Feuerwehrverbandes.
 
Gegründet wurde der Verein bereits im Jahre 1886, als sich einige verantwortungsbewusste und um das Wohl der Mitmenschen besorgte Männer anschickten, neben der bestehenden Pflichtfeuerwehr auch eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen, so wie sie in anderen Orten zum Teil schon seit 10 Jahren bestand.
 
28 aktive Mitglieder zählte die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn bei ihrer Gründung. Diese waren eingeteilt in zwei Spritzenzüge und eine Steigerrotte. Als Vorstand wurde Andreas Meir benannt, Hauptmann war Georg Steidle, die Kasse wurde von Johann Schaller geführt, Steigerrottenführer war Ignaz Kratzer, Johann Wiedmann wurde zum Zugführer der Spritzen-mannschaft ernannt. Ein Schriftführer wurde erstmals 1890 gewählt, wobei bemerkenswert ist, dass bis zum Jahr 1925 stets der jeweilige Dorflehrer dieses Amt ausführte.
Außer der Freiwilligen Feuerwehr mit 42 aktiven und 5 Ehrenmitglieder, bestand im Jahre 1898 immer noch eine Pflichtwehr mit 12 Mann. Bis zum Jahre 1900 hatten bereits 74 Männer aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn gedient. Im Jahr 1903 wurden bereits
9 Männer der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn mit dem Ehrendiplom für 15jährige Dienst-zeit ausgezeichnet. Eine Pflichtfeuerwehr wird in den Aufzeichnungen aus dem Jahre 1910 erstmals nicht mehr erwähnt, während die Freiwillige Feuerwehr in diesem Jahr einen Mit-gliederstand von 45 aktiven und 5 Ehrenmitglieder hatte. 39 aktive Mitglieder waren es im Jahre 1923, während im Jahr 1976 der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn 29 aktive und 96 passive Mitglieder angehören.
 
Die Bewältigung der finanziellen Probleme war für den Verein nicht immer einfach, zumal die einzige ständige Einnahme der ziemlich niedrige Mitgliedsbeitrag war. Einige Male erhielt die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn Unterstützungen aus Mitteln des Kreisfonds und der könig-lich bayrischen Brandversicherungskammer, so insbesondere von der Gründung bis zum Jahrhundertwechsel, da der Verein zu dieser Zeit noch sehr jung war und laufend Aus-rüstungsgegenstände beschaffen musste, natürlich übernahm stets die Gemeinde den Groß-teil der anfallenden Kosten.
 
Trotz der schwachen Kassenverhältnisse des kleinen Vereins und der kleinen Gemeinde scheuten sich die verantwortlichen Männer niemals in der Geschichte des Vereins, die zu einer wirksamen Brandbekämpfung notwendigen Ausrüstungsgegenstände zu beschaffen, denn die Leute waren sich immer über die Wichtigkeit einer schlagkräftigen Wehr bewusst.
 
Neben zahlreichen Kleinausrüstungsgegenständen (Schläuche, Leitern, Uniformen usw.) die in den ersten Jahren des Bestehens beschafft werden mussten, wurde im Jahre 1893 eine Saug- und Druckspritze zum Preis von 1800 Mark gekauft, nachdem die vorhandene Druck-spritze den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Die Finanzierung derartigen Anschaffungen war damals nicht so sehr einfach wie in der heutigen Zeit, wo für die Aus-rüstungen der Wehren gänzlich die Kreise und Gemeinden sorgen.
 
Die Motorisierung der Feuerwehren macht auch vor der Lauterbrunner Wehr nicht halt, so ge-schah es, dass im Jahre 1956 die alte Spritze von 1893 einer neuen in einem Anhänger unter-gebrachten TS 6 Motorspritze weichen musste.
 
Um dem allgemeinen Ausrüstungsstand der Feuerwehren gerecht zu werden, wurde 1975 ein Feuerwehrauto mit einer neuen größeren TS 8 Motorspritze von der Gemeinde für die Wehr beschafft.
 
 
Bis zur Installierung einer Sirene im Jahre 1972 wurde die Alarmierung der Feuerwehrmänner noch mit dem Horn vorgenommen, inzwischen wurde die Sirene an die Funkalarmierung des Landkreises angeschlossen.
 
Zur Brandbekämpfung wurde die Wehr in ihrer langjährigen Bestehung leider auch häufig gerufen, so geht zum Beispiel aus dem ältesten noch vorhandenen Bericht aus dem Jahre 1892 hervor, dass die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn am 28. Mai beim Totalbrand des Anwesens Lorenz Kratzer in Heretsried mit 28 Mann und einer Druckspritze im Einsatz war. Den ersten Brand in Lauterbrunn hatte die Wehr im Jahre 1906 beim Anwesen des Martin Hammer zu bekämpfen. Letztmals in der eigenen Gemeinde musste die Wehr zu einer Gebäudebrandbekämpfung am 21. Juli 1964 ausrücken.
 
Der ersten Inspektion wurde die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn am 24. August 1890 in Affaltern unterzogen, gemeinsam mit den Wehren aus Affaltern, Heretsried und Feigenhofen. Inspiziert wurden die Wehren von den Herren Bezirksamtmann Lutzenberger, Bezirksvertreter Geltinger, Ersatzvertreter Bär und Ausschussmitglied Lutz. Das im Dienstbuch eingetragene Urteil der Inspizierung über die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn lautet wie folgt:
Die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn zeigte bei der heutigen Inspektion einen guten Willen und sind die von derselben vorgenommenen Übungen zur Zufriedenheit ausgefallen.
Gez. Lutzenberger, Geltinger
 
Wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, wurde die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn dann regelmäßig alle drei Jahre bis 1940 und wieder ab 1950 meist gemeinsam mit den Nachbar-wehren Affaltern und Heretsried einer Inspektion unterzogen; das Urteil der Prüfenden war stets mit ein Lob für die Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn.
 
Einen guten Ausbildungsstand hat die Wehr nicht zuletzt dadurch, dass stets die notwendigen Übungen durchgeführt wurden und werden, ferner ist aus den vorhandenen Dienstlisten der ersten vierzig Jahre zu entnehmen, dass eine sehr gute Moral herrschte, denn von den ein-geteilten Feuerwehrmänner fehlte selten jemand unentschuldigt bei einer Übung.
 
Große Lücken in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn hinterließen die beiden Weltkriege, wie aus der Kriegschronik vom ersten Weltkrieg zu entnehmen ist, kehrten 10 von insgesamt 48 ins Feld gezogenen aktiven Feuerwehrkameraden nicht mehr zurück, vier wurden schwer verwundet.
 
Die Verluste während des zweiten Weltkrieges waren natürlich noch höher. Wie bereits ein-gangs berichtet, sind hierüber keine genauen Angaben vorhanden wie viel aktive Feuerwehr-männer gefallen sind.

Um auch während des zweiten Weltkrieges einen wirksamen Feuerschutz zu gewährleisten, stellten sich die älteren bereits aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Männer noch einmal zur Verfügung, außerdem wurde die Wehr durch eine Damengruppe verstärkt.
 
Kameradschaft untereinander und die Verbundenheit mit anderen Feuerwehren wurde bei der Lauterbrunner Wehr stets gepflegt. Diese Tatsache lässt sich am besten aus der Betrachtung ableiten, dass die Wehr im Laufe ihres Bestehens zahlreichen Einladungen zu Gründungs-festen und Fahnenweihen bei anderen Feuerwehren nach kam, so nahm die Freiwillige Feuerwehr Lauterbrunn z. B. schon in den Jahren 1899 am Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Welden und 1902 am Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Bonstetten vollzählig teil.
 
Etwa ab der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg war eine der wenigen Veran-staltungen im Dorf die alljährliche Christbaumversteigerung der Freiwilligen Feuerwehr. Man wollte damals der Bevölkerung etwas bieten, aber nicht zuletzt auch deshalb, um der Vereins-kasse eine kleine Einnahmequelle zu verschaffen. Der schon seit Jahrzehnten traditionelle Feuerwehrball ist aus dem Faschingsgeschehen in Lauterbrunn ebenfalls nicht mehr weg-zudenken.

Am Fronleichnamstag im Jahre 1937 wurde im Anschluss an eine Inspektion im damals üblichen Umfang der fünfzigste Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbrunn gefeiert. Die Feier fand im Biergarten des Gasthauses Dischinger statt und wurde von der Blechmusik aus Emersacker musikalisch umrahmt. Die Nachbarfeuerwehren aus Affaltern, Heretsried und Emersacker waren als Gäste erschienen.
 
Seid diesem Jubiläum wurde kein Jubiläumstag mehr in größerem Rahmen gefeiert, außer-dem besitzt der Verein bisher noch keine Vereinsfahne. Unter diesem Gesichtspunkt ent-schlossen sich nun die derzeit verantwortlichen Männer, den neunzigsten Geburtstag mit einer Fahnenweihe zu verbinden und dieses Ereignis festlich zu begehen.
 

Es bleibt zu hoffen, dass die neue Fahne die Kameradschaft und den Grundsatz der Feuerwehr

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“

erhalten und sogar noch bestärken wird.

Chronist (1975), Ludwig Fischer



Aktive Wehr 1976


(von links nach rechts)
Adalbero Wiedmann,Vorstand
Herbert Wiedemann, Kommandant
Benedikt Meyerle, Elmar Fech, Ludwig Fischer, Helmut Wiedmann, Johann Wiedmann, Wilhelm Stegmüller, Reinhard Fischer, Gottfried Meyerle, Alois Heim, Reinhard Fischer, Josef Jung, Erwin Wieland, Lothar Wieland, Georg Nowak, Richard Huttner, Roland Kraus, Rudolf Nowak, Eugen Braunmiller, Josef Meier, Albert Schiereis, Johann Fischer, Vitus Wiedmann, Herbert Müller
Nicht auf dem Foto sind:
Johann Meier, Manfred Nowak, Karl Wiedmann, Karl Wieland



90jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe
Vom 2. Juli bis 4. Juli 1976

Schirmherr: Andreas Meir, Bürgermeister

Patenverein: Freiwillige Feuerwehr Heretsried

Festausschuss: Adelbero Wiedmann, 1. Vorstand
Herbert Wiedemann, 1. Kommandant
Elmar Fech, Kassierer
Helmut Wiedemann, 2. Kommandant
Ludwig Fischer
Josef Huttner
Josef Krauß
Johann Ludwig
Georg Nowak
Alfred Wieland
Erwin Wieland

Fahnenjunker: Eugen Braunmiller

Fahnenbegleiter: Herbert Müller, Richard Huttner

Fahnenbraut: Maria Metzger
Festdamen: Marianne Bauer
Heidi Burkner
Elfriede Fischer
Johanna Fischer
Margarete Hintermeier
Elfriede Ludwig
Hermine Meir

 




100jähriges Gründungsfest vom 27. bis zum 29. Juni 1986

Festausschuss 1986

Sitzend von links:
Eugen Braunmiller, Georg Nowak, 1. Bürgermeister Helmut Schuster, Lothar Wieland, Adalbero Wiedmann
Stehend von links:
Günter Heim, Elmar Fech, Edwin Scholz, Wilhelm Stegmüller, Paul Robl,
Erwin Wieland, Reinhard Fischer, Josef Domler, Gottfried Meyerle


Festdamen 1986

Obere Reihe von links:
Andrea Lahner, Manuela Müller, Nikoletta Dürr, Simone Wiedemann, Silvia Huttner, Marion Thalhofer, Sonja Wiedemann, Ingrid Mittring, Irmgard Heim
Untere Reihe von links:
Eiko Merkler, Sabine Wiedmann, Anja Wieland, Andrea Wieland, Daniela Schmid, Carmen Wiedmann



Aktive Wehr 1986


Gruppe I                                   Gruppe II                                  Gruppe III

Gruppenführer:                       Gruppenführer:                       Gruppenführer:
Alfred Wieland                        Eugen Braunmiller                 Josef Memminger

Heim Günter                           Metzger Helmut                       Wieland Erwin
Meyerle Gottfried                    Nowak Rudolf                          Schaller Albert
Fischer Reinhard                   Nowak Manfred                       Fischer Reinhard
Meyerle Benedikt                    Meier Johann                          Ludwig Lorenz
Nowak Georg                          Meier Robert                           Schiereis Gerhard
Wiedmann Vitus                     Robl Paul                                 Wieland Karl
Meier Josef Treffil                   Willibald                                   Stegmüller Wilhelm
Lichtenstern Peter                  Wiedemann Alois                  Wieland Manfred
Wiedmann Karl                       Keller Bernd                            Wieland Alfred
Jung Josef                               Stegmüller Klaus